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3. November 2022 - Anreisetag

Als um 04:00 Uhr der Wecker schrillte, ahnten wir noch nichts davon, dass ein Flug nach New York viele Tücken haben kann. Pünktlich um 04:45 Uhr kam uns mein Vater für den Transfer von Home2Airport abholen. So weit so gut.

Unser Abflug nach New York, welcher mit der Fluggesellschaft KLM via Amsterdam führte, war um 06:55 Uhr geplant. Mit einer 30-minütigen Verzögerung rollten wir der Startbahn entgegen als plötzlich die Fahrt unterbrochen wurde. Nach einer Weile wurden wir vom Kapitän informiert, dass das Flugzeug ein Problem hat. Ob es sich dabei um ein Software- oder Hardware-Problem handelte, weiss ich nicht (mehr). Die Experten versuchten auf dem Rollfeld das Flugzeug zu reparieren. Ohne Erfolg! Die Maschine konnte heute nicht mehr abheben. Wir wurden mit Bussen zum Terminal zurückgefahren. Gepäck wieder entgegen nehmen. Und nun? Wie ging es weiter? Wir hatten schon mächtig Puls! Wir hatten einen Anschlussflug von Amsterdam nach New York, welcher wir definitiv verpassen werden. Hierzu ein Grosses Lob an KLM. Wir wurden per SMS sehr gut informiert. «Glücklicherweise» wurden wir auf einen Direktflug ab Zürich umgebucht. Neu flogen wir mit der Swiss direkt nach New York. Abflugzeit: 13:10 Uhr. Nochmals Check-in. Nochmals Passkontrolle. Zwischenzeitlich vertrottelten wir unsere Wartezeit im "The Circle". Der Abflug um 13:10 Uhr verzögerte sich leicht, weil die «Amis» striktere Kontrollen verlangen. Wir zeigten gefühlt zum 5. Mal den Pass und die Boardkarte, bevor wir endlich auf den Sitzen Platz nehmen konnten. Petra sagte: «Jetzt ist alles gut!» Ich erwiderte: «Warte ab! Ich glaube es erst, wenn wir abgehoben sind.» Prompt, auf dem Rollfeld kurz vor TakeOff, hatten wir einen medizinischen Notfall an Board. Eine Frau, welcher bereits einen vorherigen Flug wegen Unwohlsein gecancelled, bzw. abgebrochen werden musste, aber nach einem medizinischen Check grünes Licht erhielt, fühlte sich wieder unwohl. Zurück zum Terminal. Nochmals Flugzeug auftanken und natürlich das Gepäckstück dieser Person herausfischen. Um 14:25 Uhr ging es dann endlich in die Luft. Mittlerweile wären wir bereits in New York gelandet. Der Flug nach New York dauerte einfach so lange wie es dauert. Ebenso das Betreten des US-Bodens (Passkontrolle!). Und vom JFK-Flughafen nach Manhattan zur Unterkunft mit den ÖV’s braucht auch seine Zeit. Schlussendlich waren wir zirka 20:30 Uhr (Ortszeit) im Hotel, fix und foxi! Unsere Odyssee dauerte rund 22 Stunden und wir flogen nicht via Osten nach New York, sondern eigentlich auf dem direkten Weg..... 

4. November 2022 - Startnummertag

Nach der sehr langen, sehr ermüdenden Anreise freuten wir uns auf eine lange und erholsame Nacht mit viel Schlaf. Doch New York hatte etwas dagegen. Bereits um 07:00 Uhr begann ein Bagger, das Grundstück vis à vis von unserem Hotel auszuheben. Der Bagger hämmerte permanent! Obwohl wir im 19. Stock logierten, war es ohrenbetäubend, respektiv nervend. An Schlaf war nun nicht mehr zu denken. Wir wälzten uns im Bett umher, bevor wir endgültig aufstanden. Erstes Tagesziel: Kaffee! Nach dem Genuss des braunen Getränkes ging es zur Marathon-Expo weiter. Für die Startunterlagen und das Finisher T-Shirt mussten wir nicht lange anstehen. Die Sportartikelfirma New Balance ist einer der grossen Sponsoren des Marathons und hatte viele Merchandising Produkte im Angebot. Es herrscht reges Treiben. Auch wir griffen mächtig zu, denn einen solchen Event macht unsereins wohl nur einmal im Leben. Die Schlange (2 Stück) an den Kassen (zirka 30 Kassen pro Kolonne) waren lang. Sehr lang! Ich schätze mal 100 – 150 Meter. Alle hatten mindestens 3 Artikel in den Händen, die meisten aber eher 5 und mehr. New Balance hat sich an dieser Expo eine goldige Nase verdient, aber als grosser Sponsor sicherlich auch sehr viel bezahlt. Unter dem Strich wird es wohl ein Nullsummenspiel sein. Den Nachmittag verbrachten wir grösstenteils auf dem Schiff resp. in Hoboken, was auf der Gegenseite des Hudson Rivers liegt. Von hier aus hat man einen sensationellen Blick auf die Skyline von Manhattan. Danke Simone für den Tipp! Das Abendessen (Lasagne) nahmen wir bei einem Italiener in der Nähe des Hotels ein. Müde gingen wir daher eher früh zu Bett und verfielen bald einmal in den Tiefschlaf. 

5. November 2022 - Touristentag #1

Obwohl die Baggerarbeiten heute ruhten, verhinderte die Zeitverschiebung uns das Ausschlafen. Deshalb schlossen wir uns der Crew um Markus Ryffel an, welche um 07:45 Uhr zu einem gemeinsamen Warm-up aufbrach. Schätzungsweise 30 Läufer joggten locker Richtung Roosevelt Island. Die Insel im East River erreichten wir mit einer Seilbahn Made in Switzerland. Petra und ich gingen zum Abschluss des Footings noch in den nahegelegenen Central Park, um einige Steigerungsläufe zu machen. Danach war für uns nicht mehr allzu viel auf dem Plan; Duschen, Frühstücken, Ruhen und mentale Vorbereitung auf den Marathon, Abendessen und Schlafen. Nur etwas «störte» den Ablauf. Ich erhielt bereits 9:00 Uhr PM Geburtstagsgratulationen aus der Schweiz, aber in New York war es noch immer der 5. November und nicht der 6. November. 

6. November 2022 - Wettkampftag

Tagwache war um 04:00 Uhr. Es begann der Tag, an dem ich meinen Geburtstag mit über 50'000 Läuferinnen und Läufer und mit einem grossen Publikum (> 1'000'000) feiern durfte. Ein «once-in-a-lifetime»-Tag! Um 04:45 Uhr gab es im Hotel Frühstück, bevor um 05:45 Uhr der Bus zum Startgelände fuhr. Das Treiben im Startgelände stellte ich mir vorgängig viel stressiger vor, aber alles war entspannt. Die warmen Temperaturen (21°C) halfen die Wartezeit «unbeschadet» zu überstehen. Es herrschten am New York City Marathon auch schon minus Temperaturen, was natürlich sehr unangenehm werden kann, bei einer Wartezeit von 2 Stunden und mehr. Bald einmal musste ich mich von Petra verabschieden, weil wir in verschiedenen «Corrals» zugeteilt waren. Die Anspannung stieg spürbar. Nicht nur bei mir, sondern auch um mich herum. Um 9:10 Uhr «erlöste» uns ein Kanonenschuss. Die Menschenmenge begann zunächst zu walken, später ging es in ein langsames Traben über und schlussendlich ins Laufen. Gleich zu Beginn galt es die Verrazano Bridge zu meistern. Bis zur Mitte der Brücke (1. Meile) waren gut 150 Höhenmeter zu bewältigen. Der New York City Marathon ist bekannt für seine wellige Strecke (vor allem Brücken) und deshalb nicht der Schnellste. Mein Raceplan war auf Sub245 ausgerichtet, was einem Durchschnittstempo von zirka 03:55 entspricht. Petra’s Plan war auf Sub310 eingestellt. Dies entsprach einer 04:30er-Durchschnittspace. Ich weiss nicht, was uns geritten hat. Wir fühlten uns beide fit und waren wohl zu euphorisch angesichts des Mythos «New York City Marathon». Zudem war es noch mein Geburtstag. Auf jeden Fall liefen wir beide ins «Verderben» hinein. Die warmen Temperaturen hätten eine Korrektur der Wunschzielzeit verlangt, stattdessen beschleunigten wir! Ich passierte die 10 Kilometermarke bei 37:33, was eine Pace von 03:45 bedeutete. Ich zog das Tempo unbeirrt weiter. Petra klemmte sich beinahe bis Halbmarathon an die Fersen des 03:05-Tempomachers. Das konnte nicht gut gehen und ging es auch nicht. Mir wurde noch vor Rennhälfte «der Stecker gezogen». Ab sofort verliess ich den Rennmodus und wechselte in den Trainingsmodus. Ungewollt natürlich! Wir schleppten uns dennoch beide ins Ziel, denn aufgeben in New York geht nicht. Der Ausstieg ist nur auf einer Tragbarre möglich! Ansonsten lassen Dich die Zuschauer nicht von der Rennstrecke abziehen. Was das Publikum angeht, war bisher der London Marathon das Mass aller Dinge, aber New York setzte dem Ganzen noch einen drauf. Unglaublich! Laut. Sehr laut! So konnten, mussten, durften wir die grossartige Stimmung etwas länger als gewollt geniessen. Schliesslich überquerte ich die Ziellinie in 03:02:36, Petra folgte in 03:22:37. Wir waren im ersten Moment nicht sonderlich erfreut über die Leistung. Dies legte sich aber mit etwas Abstand, zumal auch Profis Mühe hatten mit den Bedingungen. Trotzdem «ärgere» ich mich noch heute über mein Rennen und würde am liebsten gleich nochmals starten, um zu beweisen, dass ich es besser kann. Den Happyday liessen wir bei einem gemütlichen Nachtessen mit der Markus Ryffel’s-Runningcrew ausklingen.

PS: 11'000 Volunteers engagiert und alle durchwegs sehr motiviert, aufgeschlossen und hilfsbereit! 

7. November 2022 - Touristentag #2

Nach Sonntag kommt Montag sprich die Bagger hämmerten pünktlich um 07:00 Uhr los. Same again!  An Schlaf war nicht mehr zu denken. Okay, wir waren ja auch schon wieder wach. Die innere Zeitumstellung geht bei uns doch noch nicht so schnell. Also raus aus den Federn und frühstücken. Für einmal fanden wir einen Kaffeeladen, welcher den Latte in Tassen ausschenkte. Mich nervt dieses «gepappte» extrem. Als Highlight des Tages stand «Top of the Rock» auf dem Programm. Die Aussichtsplattform auf dem Rockefeller Center ist die Beste in Manhattan. Der Wolkenkratzer ist mit 259 Metern längst nicht der Höchste der Stadt, sondern nur die Nummer 31. Trotzdem hatten wir einen guten Rund-um-Blick. Ausserdem gab es extra für die Marathonies super Foto Hotspots. Den Nachmittag verbrachten wir im Süden von Manhattan mit Blick auf die Freiheitsstatue und einem Hotdog an einem Wagen, der Versprach der Beste von New York zu sein. Zwar ohne Sauerkraut dafür mit Chili-Cheese. Einen Besuch auf der Brooklyn Bridge durfte auch nicht fehlen.  Am Abend gingen wir mit einem neu kennen gelernten Laufkollegen noch gediegen essen. Er zeigte uns zudem die amerikanische World of Drinks, respektiv Cocktails. Es war ein genussvolles Erlebnis. 

8. November 2022 - Abreisetag

Erneute Tagwache um 04:00 Uhr, aber dieses Mal für kommende 10 Tage Erholung. Um unseren Flug nicht zu verpassen, mussten wir sehr früh «unser Zelt» in New York abbauen. Die letzten 6 Tage werden uns, trotz einigen Turbulenzen oder gerade deshalb, in sehr schönen Erinnerung bleiben!  

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